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Der Ärzteverein

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Gegründet 1863

 

Bereits 1843 gab es in Graz monatliche Ärzteversammlungen, die im Hörsaal der Anatomie an der Lehranstalt in der Paulustorgasse (dem jetzigen Gebäude der Verkehrspolizei) stattfanden. 1863 (noch vor Errichtung der Grazer Medizinischen Fakultät) wurde auf Antrag des damaligen höchsten Sanitätsbeamten in der Steiermark, Julius Edler von Vest, der „Ärzteverein“ gegründet. Zweck des Vereines war die "Förderung des wissenschaftlichen Strebens auf dem Gebiet der Heilkunde und des öffentlichen Gesundheitswesens, ferner die Stärkung des kollegialen Wirkens im Interesse des ärztlichen Standes". Es wurde beschlossen, vor allem Themen zu behandeln, die für praktische Ärzte von Bedeutung sind.

Die Sitzungen fanden zunächst monatlich statt und sollten auch der Förderung des kollegialen Zusammenseins dienen. Mitglieder des Vereins waren fast alle steirischen Ärzte. Bald gab man auch ein Fachjournal bzw. Mitteilungen und Sitzungsberichte heraus, eine umfangreiche Bibliothek wurde angelegt, auch ein Wunsch-und Beschwerdebuch wurde aufgelegt. 1886 wurde die Auenbrugger-Stiftung geschaffen, welche in Not geratenen Mitgliedern, deren Witwen und Nachkommen, finanziell helfen sollte.

Der erste Obmann des Ärztevereins war der erste Vorstand des Lehrstuhls für Innere Medizin, Moritz Körner. Neben der Vorstellung seltener Krankheitsfälle wurden immer wieder aktuelle diagnostische und therapeutische Probleme und solche des öffentlichen Gesundheitswesens behandelt, wie z. B. Methoden der Cholerabekämpfung, der Pockenimpfung, der Bandwurmbehandlung und das um diese Zeit überhand nehmende Tuberkuloseproblem.

Nach Körner und Rembold griff der dritte Chef der medizinischen Klinik, Friedrich Kraus, das Tuberkuloseproblem neu auf und trug mit seinem Assistenten Theodor Pfeifer wesentliches zur Betreuung der Tuberkulösen bei. So wurden auf ihre Anregung die steirischen Tuberkuloseheilstätten, einschließlich der Stolzalpe, eingerichtet und eine Tuberkulosefürsorge aufgebaut.

Weitere wichtige Themen der Versammlungen waren Kropfprobleme, einschließlich des Kretinismus und Fragen der Herz-, Lungen-, Blut- und Nierenerkrankungen. So hat auch als einer der ersten in Österreich Friedrich  Kraus nach der Anschaffung eines Röntgengerätes dieses der Ärzteschaft vorgestellt. Die damals häufigen typhus- und paratyphusähnlichen Erkrankungen waren häufig Thema der Sitzungen.

Der erste Inhaber eines Hygienelehrstuhls in Graz, Max von Gruber, hat im Verein seine Agglutinationsreaktion zur Typhusdiagnose erörtert (die so genannte Gruber-Widalsche Reaktion). Fragen der Hygiene und der daraus folgenden Forderungen an die Behörden hat der spätere Vorstand des Hygieneinstitutes Prausnitz immer wieder aufgeworfen und entsprechende Maßnahmen gefordert. Fritz Pregl stellte seine Methode der quantitativen Mikroanalyse, die ihm 1923 den Nobelpreis einbrachte, erstmals im Ärzteverein vor. Nach Entdeckung des Insulins 1923 wurde über die daraus resultierenden medizinischen Konsequenzen ausführlich im Verein diskutiert.

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Fritz Pregl

Daneben waren auch Randfragen wie Okkultismus, Homöopathie, oder Fragen der ärztlichen Ethik immer wieder gern gehörte Themen. Entsprechend dem oftmals geäußerten Wunsch, neben rein wissenschaftlichen Themen über den neuesten Stand der medizinischen Forschung auch Vorträge zu bringen, die vor allem den Bedürfnissen praktischer Ärzte Rechnung tragen, wurden spezielle Veranstaltungen organisiert. Seit den 1950er-Jahren dient diesem Zweck das "Ausseer Symposion", das von der Gesellschaft alljährlich im Frühjahr veranstaltet wird.

1968 wurde der Verein der Ärzte in "Wissenschaftliche Gesellschaft der Ärzte in der Steiermark" umbenannt.

Die Sitzungen des Ärztevereins waren traditionell “Pflicht” für alle Professoren der Medizinischen Fakultät, und es gab kaum eine wissenschaftliche Errungenschaft der Steirischen Ärzteschaft, die nicht im Rahmen des Vereins präsentiert worden wäre.  Gleichzeitig waren die Veranstaltungen des Ärztevereins immer auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Diese Tradition lebt in der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Ärzte fort. Dabei wird auch Interdisziplinarität gepflegt, kontroversielle Themen werden im Rahmen eines möglichst offenen Diskurses aufgegriffen. Eine enge Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität erleichtert diese Aufgabe.