Sportmedizin

am 23. Oktober 2003
Moderation: Univ.-Prof. Dr. P.H. Schober,
Klin. Abt. für Sport- u. Leistungsmedizin im Kindesalter, Universitätsklinik für Kinderchirurgie, Univ.-Klinikum Graz

Die wissenschaftliche Sitzungen finden jeweils Donnerstag um 19.00 im Hörsaal des Institutes für Pathologie, LKH Graz statt.

Vortragender

Thema

P.H. Schober :

Sport und Bewegung im Kindealter - Prävention für später?

K. Leitner: Medikament Sport, Nutzen oder Risiko
F. Skrabal : Trainingstherapie bei Hypertonie, koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz

DFP: 2 freie Stunden


Sport und Bewegung im Kindesalter - Prävention für später?
ao.Univ.-Prof. Dr. Peter H. Schober
Universitätsklinik für Kinderchirurgie, Abteilung für Sport- und Leistungsmedizin im Kindes- und Jugendalter, Auenbruggerplatz 34, 8036 Graz

Die Leistungsfähigkeit der Kinder wird, bedingt durch den Bewegungsmangel immer schlechter. Immer weniger Kinder haben eine ausreichende Körpererfahrung und können einfache gymnastische Übungen wie Schnurspringen, Purzelbaum, Hampelmann etc. fehlerfrei ausführen. Körperliche Leistungen, die vor 10 Jahren durchschnittlich waren, sind heute Spitzenleistungen, wobei die Leistungsentwicklung ab dem 12., früher ab dem 15. Lebensjahr stagniert. Folgen dieser Entwicklung sind "Bewegungsmangelkrankheiten" wie Haltungsschwächen, Haltungsschäden, Übergewicht, Typ II Diabetes, Teilleistungsschwächen und geringe Frustrationstoleranz. Auch eine Zunahme der Gewaltbereitschaft bzw. Zugreifen zu Alkohol und Drogen ist keine Seltenheit. Selbst Osteoporose ist keine ausschließliche Erkrankung des Erwachsenen mehr, sondern kann auch schon im Kindesalter diagnostiziert werden. Durch die nicht ausreichend entwickelte Muskulatur und damit verbundene mangelnde Rumpfstabilität, kommt es zu Haltungsschwächen, die später zu orthopädischen Problemen werden und einerseits schmerzhafte Folgen haben können, andererseits zu Arbeitsunfähigkeit führen können.

Neue Forschungen zeigen, dass auch extreme Einseitigkeit und mangelnde Körperkoordination sich auf die intellektuelle Fähigkeit auswirken können. Teilleistungs- und Konzentrationsstörungen sind häufig Folge einer schlechten Körpererfahrung und Koordination.

Die einzige Formel aus diesem Teufelskreis herauszukommen lautet Bewegung, wie Gehen, Laufen, Radfahren Inline-Skaten etc. um den Kreislauf und Muskulatur in Schwung zu bringen. Im Vordergrund steht die Änderung des Lifestyles. Der Turnunterricht ist gerade heute ein wichtiger Bestandteil der körperlichen Entwicklung, in dem Grundlage für die Fitness gelegt werden sollte. Die richtige Belastungsintensität für Training im Kindes- und Jugendalter regelt sich im Alttagssport meist von selbst. Als Faustregel, die sich aber nicht an der Herzfrequenz orientiert, gilt, dass während der Belastung eine Unterhaltung möglich ist. Am Anfang sollte man ca. 10 Minuten pro Trainingseinheit, mindestens zwei besser drei Mal pro Woche durchführen. Das Endziel sollten rund zwei, optimal drei Stunden pro Woche Bewegung sein. Doch auch Kräftigungsübungen wie Stiegensteigen, Klimmzüge, Liegestütze, Kniebeugen, Sprünge etc. um die Muskulatur zu kräftigen sind für unseren Körper und die gesunde Körperentwicklung notwendig. Dadurch kann man sowohl das Wohlbefinden, wie auch das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen deutlich steigern. Auch eine Verbesserung von Teilleistungsschwäche kann dadurch möglich sein. Hilfreich für dieses Problem sind auch kinesiologische Übungen, die in einigen Schulbüchern auch angeführt sind. Die Aufgabe von Eltern, Ärzten, Pädagogen und Politikern sollte es sein mehr Bewusstsein und Strategien zu entwickeln den allgemeinen Bewegungsmangel entgegenzutreten.


Medikament Sport, Nutzen oder Risiko
Dr. Kurt Leitner
Arzt für Allgemeinmedizin und Sportmedizin, Stadionstraße 30a, 8750 Judenburg

Die Verordnung des Medikamentes Bewegung, ob Ausdauer oder Kraft, ist heute im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung und Betreuung von Gesunden und Kranken zu einem fixen Bestandteil in der ärztlichen Therapie geworden.
Körperlicher Bewegungsmangel gilt als primärer Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, der hinsichtlich seiner Bedeutung ähnlich einzuschätzen ist wie Hypertonie, Nikotinabusus, Hyperlipidämie oder Diabetes mellitus.
Regelmäßige körperliche Aktivität führt zu einem Komplex von organismischen Adaptionen, daß heißt zu morphologischen und funktionellen Anpassungen, die die Basis für eine gesteigerte Leistungsfähigkeit bilden. Bewegungsinduzierte Adaptionen haben bei richtiger Anwendung einen positiven Einfluß auf das Herz- Kreislaufsystem, den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel, die Muskulatur, das Immunsystem und die Psyche. Dieser positive Effekt wurde in zahlreichen Studien innerhalb der letzten 40 Jahre nachgewiesen. ( Morris, Paffenbarger, Blair )
Körperliches Training ist somit eine primär- bzw. sekundär- präventivmedizinische Maßnahme zur Beeinflussung der veränderbaren Risikofaktoren der Atherosklerose. Den positiven Aspekten der körperlichen Bewegung stehen die Kosten, die durch Sportverletzungen entstehen, gegenüber. Für eine sichere und wirksame Anwendung von Bewegung sind die Regeln der medizinischen Trainingslehre zu beachten: Auswahl der richtigen Sportart, Intensität, Dauer; Häufigkeit, systematische Steigerung des Trainings bei entsprechenden Trainingszielen.


Trainingstherapie bei Hypertonie, koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz
Univ.-Prof. Dr. Falko Skrabal
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Abteilung für Innere Medizin, Marschallgasse 12, 8020 Graz

Dynamisches Ausdauertraining reduziert bei Gesunden den Sympathikotonus, erhöht den Vagotonus, ökonomisiert die Herzarbeit und verbessert die Endothelfunktion. Weiters kommt es zu einer Verbesserung des Lipidprofils mit Senkung des LDL- Cholesterins, Anstieg des HDL- Cholesterins und zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität.
Bei Hochdruckkranken bewirkt Ausdauertraining eine mäßige, aber signifikante Blutdrucksenkung und reduziert den Verbrauch an Antihypertensiva. Das mit dem Hochdruck so häufig assoziierte metabolische Syndrom wird ebenfalls günstig beeinflusst.
Bei koronarer Herzkrankheit führt es durch die Ökonomisierung der Herzarbeit in Ruhe und speziell auch durch die Verbesserung der Endothelfunktion zu einer günstigen Beeinflussung von Nachlast, Sauerstoffverbrauch und Symptomatik.
Jüngst wurde randomisiert gezeigt, dass es auch punkto Überleben invasiven Maßnahmen, wie PTCA bzw. Stentimplantation gleichwertig oder überlegen ist.
Auch bei der Herzinsuffizienz wurde das jahrzehntelange Dogma widerlegt, dass betroffene Patienten sich schonen und ihre Muskelarbeit auf ein Minimum reduzieren sollten. Auch bei den schwersten Stadien der Herzinsuffizienz ist ein dynamisches Muskeltraining sinnvoll und verbessert die Leistungsfähigkeit.

Wegen der Herzinsuffizienz muss dieses Training allerdings völlig anders gestaltet werden als bei Gesunden.
Die positiven Effekte des Ausdauertrainings bei allen drei Krankheitsgruppen könnte man mit der Wirkung einer medikamentösen Kombinationstherapie bestehend aus Betablocker, ACE- Hemmer, Nitrat, Statin und Insulin- Sensitizer vergleichen.

Im Rahmen des Vortrages wird die Pathophysiologie der drei Krankheiten im Bezug auf den Wirkungsmechanismus des Ausdauertrainings beschrieben und Trainingsprogramme für die 3 Krankheitsgruppen detailliert diskutiert.


 

Störungsmeldung: rosmarin@uni-graz.at
zuletzt bearbeitet: 24 Oktober, 2003